Von der Lehre zum Studium | Yousty-Talk mit Silvan Melchior

Die Berufsbildung beschäftigt die Schweiz – insbesondere in Anbetracht der Fachkräftemangeldiskussion. Es ist mir daher ein grosses Anliegen, in diesem Bereich unterwegs zu sein und mich mit interessierten und engagierten Menschen auszutauschen. Ich erlaube mir, diese Interviews und Gespräche zu veröffentlichen, da sie spannende Einblicke in den Bereich “Berufsbildung” gewähren.

Dieser Yousty-Talk wurde am 28. Oktober 2015 mit Herrn Silvan Melchior, ehemaliger Lernender „Elektroniker EFZ“ beim Paul Scherrer Institut PSI und Weltmeister 2013, durchgeführt.

Silvan Melchior an den Berufsweltmeisterschaften 2013
Silvan Melchior ganz in seinem Element an den Berufsweltmeisterschaften in Leipzig 2013

Herr Melchior, können Sie sich zu Beginn kurz selbst vorstellen?

Mein Name ist Silvan Melchior. Ich bin zurzeit 22 und habe im Jahr 2013 meine Lehre als Elektroniker EFZ abgeschlossen, welche ich am Paul Scherrer Institut absolviert hatte.

Wie alt waren Sie, als Sie wussten, Sie wollen Elektroniker werden?

Meine Entscheidung für einen technischen Beruf fiel schon sehr früh, da ich bereits im Kindergarten mit der Elektronik in Kontakt kam und von ihr begeistert war. Dass die richtige Wahl dann schlussendlich Elektroniker ist, stellte sich nach mehreren Schnupperlehren heraus.

Wie lief die ganze Stellensuche ab?

Durch einen Informationsanlass wurde ich auf das PSI aufmerksam und erkundigte mich näher über den Betrieb. Ich bewarb mich für eine Schnupperlehre und stellte fest, dass mich das Forschungsumfeld ansprach. Somit bewarb ich mich für eine Lehrstelle und bekam diese dann auch. Selbstverständlich habe ich mich auch bei anderen Betrieben beworben, welche mich interessiert hatten, allerdings habe ich nach der Zusage vom PSI meine Bewerbungen wieder zurück gezogen.

Was zeichnet die Elektroniker-Lehre aus?

Die Elektroniker-Lehre erlaubt einem einen tiefen, praxisorientierten Einblick in die riesige Welt der Elektronik. Sie bildet eine gute Grundlage für ein Studium in diesem Bereich und richtet sich an Lernende, welche gerne genau arbeiten, Freude am Detail haben und die moderne Technik verstehen möchten.

Was war das Beste und das Schlechteste in Ihrer Lehrzeit?

Am wenigsten hat mir persönlich das mechanische Praktikum in der Werkstatt gefallen, wo das Augenmerk vor allem auf dem Feilen von Metallgegenständen lag, wofür ich mich nicht wirklich begeistern konnte.

Das Beste war sicherlich die Berufsweltmeisterschaft gegen Ende der Lehre, welche etwas absolut Einmaliges war und ich mich immer daran erinnern werde.

Warum sind Sie Ihrer Meinung nach in Leipzig schlussendlich Weltmeister geworden?

Das weiss ich ehrlich gesagt auch nicht so genau, aber laut den Resultaten konnte ich vor allem in der Programmieraufgabe die Konkurenz abhängen.

Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit? Profitieren Sie heute noch von Ihren Erfahrungen aus der Lehre?

Die Praxiserfahrung aus der Lehre hilft mir noch heute, im Studium sehr theoretische Sachen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dazu kommen natürlich die vier Jahre Berufserfahung, welche mir bei der Stellensuche helfen. Und natürlich eine gewisse Stressresistenz, welche ich während der WM aufgebaut habe.

Was haben Sie heute für eine berufliche Tätigkeit? Was planen Sie für die Zukunft bezüglich Ihrer Karriere?

Ich studiere zurzeit an der ETH Informatik und möchte danach am liebsten in die Forschung zurück.

Was würden Sie heute anders machen in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Ehrlich gesagt gar nichts, glücklicherweise hat alles sehr gut geklappt.

Und abschliessend: Welchen Tipp geben Sie den heutigen Lehrstellensuchenden?

Sie sollen unbedingt eine oder gleich mehrere Schnupperlehren machen, um den Beruf näher kennenzulernen, in welchem man die nächsten paar Jahre zu Hause sein wird.

Vom Lehrling zum Chef?

Die Meinungen gehen auseinander. Sind die Karrierechancen für Lernende tatsächlich intakt?

Auch in Grossfirmen möglich!

In der Statistik von Grossfirmen sieht es gut aus. Gemäss Recherche der „Nordwestschweiz“ in den 200 grössten Firmen sind 100 ehemalige Lernende in der Chefetage. Je internationaler und grösser die Firma, desto weniger sind es allerdings.
Das ist für mich nicht verwunderlich, denn in diesem Umfeld sind die Chef-Kollegen allesamt aus internationalen Elite-Unis und kennen unser duales Berufsbildungssystem kaum oder gar nicht. Weiterlesen