Gerichtsurteil! Bewerbung per Post bald verboten?

Sie mögen sich an meinen BlogAlle sind online nur die Jugend nicht“ erinnern?
Auf deutschen Kanälen (personalmarketing2null) habe ich heute folgendes gefunden:

Aus Datenschutzgründen, wegen frustrierender Erlebnisse bei der Online-Bewerbung und Angst vor der allgegenwärtigen NSA reichte ein Bewerber seine Bewerbungsunterlagen in Papierform ein, obwohl diese vom Arbeitgeber explizit per elektronischer Übertragung („online“) gefordert wurden. Das darf er nicht, urteilte ein Gericht.

Bereits seit 2013 hat die Firma einen expliziten Hinweis auf seiner Karriere-Website, dass Bewerbungen nur noch online angenommen und Postbewerbungen nicht zurück gesendet werden.

Ein Bewerber erlebte, dass er sich dem nicht entziehen kann. Obwohl er seine Bewerbung in Word vorbereitet hatte, reichte er sie per Post ein. Eine elektronische Übermittlung lehnte er ab, da er negative Erfahrungen mit mangelhaften Online-Bewerbungsformularen und Internetmissbrauch gesammelt hatte und ihm darüber hinaus die NSA-Affäre die Anfälligkeit des Internets gezeigt hat.

Die Firma lehnte dieses ab, worauf es zu einer Klage vor dem Arbeitsgericht Neu-Brokdorf kam. Mit rechtskräftigem Urteil vom 15. August 2015 (Az.: 1 LMAA 0815/4711) wurde nun aber entschieden, „dass allgemeine Bedenken gegen die Sicherheit einer Datenfernübertragung nicht ausreichen, um von einer elektronischen Übermittlung der Bewerbungsunterlagen befreit zu werden.“

Nach Auffassung des Gerichts ist die Übermittlung der Daten auf Basis des vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Online-Bewerbungsverfahrens nicht manipulationsanfälliger als eine Bewerbung, die in Papierform eingehe.
Auf eine elektronische Übermittlung könne nur verzichtet werden, sofern diese wirtschaftlich oder persönlich für den Bewerber unzumutbar sei, heißt es in der Begründung.

Da der Bewerber im Urteilsfall sowohl über die technischen Voraussetzungen als auch über die intellektuellen Fähigkeiten verfüge, sei das Übermitteln der Bewerbung online unstrittig ihm auch zumutbar. Die Zusendung der Bewerbung per Post (Papierform) stelle bei zwingender elektronischer Übermittlung eine Nichtabgabe dar und schließe ihn automatisch vom Bewerbungsverfahren aus.

Bereits 2012 kam das Oberlandesgericht Leipzig (Az. WGIDD/66/HH) zu einem komplett gegenläufigen Urteil. Hier wurde ein Unternehmen dazu verurteilt, Bewerbungen auch per Post zuzulassen. Ein Bewerber hatte seinerseits geklagt, da er sich benachteiligt fühlte, am Bewerbungsverfahren nicht teilnehmen zu können. In diesem Falle verfügte der Kläger zwar durchaus über die intellektuellen Fähigkeiten, jedoch nicht über die technischen Voraussetzungen: Er hatte keinen Internetzugang.

Es bleibt spannend, denn gemäß eines geplanten EU-Gesetzentwurfs soll die elektronische Kommunikation oder Übermittlung von Daten zwischen Bewerbern und Unternehmen zum Standard erhoben werden. Dies würde das Urteil aus Leipzig nicht nur aushebeln – in letzter Konsequenz bedeutet dies dann bspw. auch ein Ende der Bewerbungen auf Umweltpapier, die das Umweltbundesamt von seinen Bewerbern fordert.

Seine wir gespannt, wie sich das Ganze in der Schweiz entwickelt und vor allem bei der Jugend….

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Tipps vom Alibaba Gründer

https://www.youtube.com/watch?v=_SKc7kMczCg

Alle sind online – nur die Jugend nicht.

Sind Sie in Ihrem Umfeld mit Jugendlichen in Kontakt? Welches Bild sehen Sie vor sich, wenn Sie diese beobachten?

Sie sind am Handy! Aktuelle Studien zeigen, dass überall in der Schweiz und zwar wirklich überall, also auch in meinem Heimatkanton Graubünden (in der hintersten Ecke sozusagen), 100% Internet-Erreichbarkeit herrscht, und dass damit verbunden die Jugendlichen 24/7 (24 Stunden und 7 Tagen die Woche) online sind (James Studie). Sie sind es sich gewohnt, dauernd zu kommunizieren, zu kommentieren, Bilder und Inhalte zu teilen, Musik und Filme zu konsumieren und allenfalls sogar Inhalte für die Schule zu finden und zu erarbeiten.

Nun beobachte ich allerdings in diesem Zusammenhang ein ganz erstaunliches Phänomen:

  1. Dflughafenbild_webseiteie meisten Jugendlichen bewerben sich auf eine Lehrstelle immer noch schriftlich
  2. Firmen, welche auf 100% Online-Bewerbungen umgestellt haben, kämpfen mehr um Bewerbungen von Schülern als andere

Auf dem HR Today Blog finden Sie meinen ganzen Blogbeitrag und meine Erkenntnisse.

Duale Berufsbildung USA will von der Schweiz lernen

Frei nach dem Motto „besser Vorbeugen statt heilen“ sollten wir hierzulande alles tun, um allen Menschen die Vorteile der Berufslehre immer und immer wieder aufzuzeigen. Warum zeigt das Beispiel USA sehr eindrücklich:

Die USA haben 21 Mio Studenten und nur 400’000 Lernende. Und sie haben folgende prekäre Arbeitssituation:

  • ein markantes Fachkräfteproblem (es fehlt den Firmen in der USA an praktischer Kompetenz)
  • eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und
  • grösste Schwierigkeiten junge, weniger gut ausgebildete Einwanderer, zu integrieren

Die Deutschen und Schweizer Unternehmen, welche in der USA produzieren, haben dies schon lange als grosse Herausforderung erkannt und sich selber, mehr schlecht als recht, über die Runde gebracht. Mit viel Aufwand wurde versucht, selbständig „Lehrprozesse“ für ihren Fachkräftenachwuchs zu etablieren.

Nun – endlich – erhalten sie Schritt um Schritt mehr Unterstützung von politischer Seite.
Die Regierung OBAMA sowie viele Initiativen in den Staaten und von Bildungsexperten wollen die
Berufsbildung fördern: http://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/usa-wollen-schweizer-berufslehre-importieren?id=f87ed89a-30b7-4a8e-85f3-396a920c5516

Bundesrat Scheider-Ammann durfte zum Abschluss seiner Reise in den USA sogar eine gemeinsame Erklärung zur Förderung der Berufsausbildung unterzeichnen.

Für die USA ein kleiner Schritt, für unser Berufsbildungssystem und die Jugend „üben wie drüben“ eventuell einer von noch nicht absehbar grosser Bedeutung.

Ich jedenfalls glaube daran!

Lehrstellen besetzen? Kein Problem!

Wie Sie vielleicht wissen, widme ich mich hauptberuflich dem Thema «Besetzung von Lehrstellen». Die von mir im Jahr 2008 gegründete Plattform Yousty.ch betreut 600 Firmen und wir haben seit der Gründung mit über 7000 Unternehmen gesprochen. Vor allem mit Personalleitern, HR-Managern oder Lehrlingsverantwortlichen.

Hier meine Erkenntnisse, auf welche ich anschliessend eingehe:

  1. (Lehr-)Stellen besetzen hat im wesentlichen mit der Firmenkultur zu tun und ist somit Chef-Aufgabe
  2. Wer Lehrstellen besetzen kann, kann (fast immer) auch auf Fachkräfte und Spezialisten zurückgreifen
  3. Es braucht «nur» Fachkompetenz

cropped-bloghrtoday2Den ganzen Blogbeitrag können Sie auf dem HR Today Blog lesen.

HR Today Blog: Es geht los!

Seit dem 20. März ist es soweit: Der HR Today Blog ist online. Auf blog.hrtoday.ch bündelt HR Today die HR-Expertise von bekannten Persönlichkeiten. Namhafte ­Experten und innovative Jungtalente greifen für Sie aktuelle Themen und neue Trends aus der Branche auf und bloggen darüber. Jede Woche zu einem anderen Thema. Immer meinungsstark, provokativ und pointiert.

 

Ich freue mich, Teil dieses Teams zu sein und meinen ersten Blog zum Thema Berufsbildung zu veröffentlichen: HR im Rollenwandel.

Yousty-Talk mit H. Kunz | B. Braun Medical AG

Die Berufsbildung beschäftigt die Schweiz – insbesondere in Anbetracht der Fachkräftemangeldiskussion. Es ist mir daher ein grosses Anliegen, in diesem Bereich unterwegs zu sein und mich mit interessierten und engagierten Menschen auszutauschen. Ich erlaube mir, diese Interviews und Gespräche zu veröffentlichen, da sie spannende Einblicke in den Bereich „Berufsbildung“ gewähren.

Dieser Yousty-Talk wurde am 12. Dezember 2014 mit Herrn Hans Kunz, CEO der B. Braun Medical AG in Sempach, durchgeführt.

 

Herr Kunz, wer sind Sie?

HK: Ich bin aktuell CEO der Firma B. Braun Medical AG in der Schweiz. Davor war ich 34 Jahre Finanzchef. Ich bin verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Deshalb bin ich auch schon Grossvater.

 

UC: Hat die B. Braun Medical AG eine lange Tradition?

HK: Ja, die Firma blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. Heute haben wir 54’000 Mitarbeitende im Konzern, davon 930 in der Schweiz. Der Umsatz in der Schweiz beträgt über 300 Mio CHF.

 

UC: Weshalb bilden Sie aus?

HK: Unsere Firma braucht Fachkräfte. Das ist zentral für unseren Erfolg in der Zukunft. Lernende sind deshalb bei uns ein Teil des Nachwuchsprogramms. Auf der anderen Seite ist es uns wichtig, auch Jugendlichen aus der Region helfen, den Berufseinstieg zu schaffen und die Lehre als Alternative zum Studium zu sehen. So unterstützen wir auch Mitarbeitende, welche die Berufsmatura begleitend machen möchten.

 

UC: Ist das nicht sehr teuer?

HK: Man kann nicht nach Fachkräften rufen und nicht bereit sein, dafür auch zu investieren. Weiter wird das Rekrutieren von Ausgelernten zunehmen schwieriger. Der Radius des Einzugsgebietes muss für alle Firmen grösser werden. Und die Kosten, diese Fachkräfte zu gewinnen steigen dauernd. Deshalb investieren wir in Ausbildung mit dem Ziel, viele Lernende zu übernehmen und sie weiter bei uns zu beschäftigen. Selbst wenn sie ein paar Jahre weg sind, sollen sie B. Braun positiv in Erinnerung behalten und gerne wieder zurückkommen. Ausserdem: Über die Lehre lernt man die Personen, ihre Stärken und ihre Fähigkeiten sehr gut kennen.

 

UC: Was ist besonders an einer Ausbildung bei Ihnen?

HK: Ich bin überzeugt: unsere Kultur. Das merken sie schon am Eingang. Man begrüsst sich, man kennt sich. Wir haben viele begeisterte Mitarbeitende und die Stimmung eines Familienunternehmens. Lehrstellen bieten wir schon seit gut 30 Jahren an. Zusätzlich sind wir eingebettet in einen Konzern und können deshalb viele Vorteile wie zum Beispiel Auslandaufenthalte anbieten. Die Weiterbildung fördern wir systematisch und für Mitarbeitende über 50 haben wir ein ganz besonderes Programm „Flex Time“ aufgesetzt, weshalb sogar Bundesrat Schneider-Ammann uns besucht hat.

Sicher wirken aber auch unsere Architektur und die schönen, funktionalen Arbeitsplätze. Denn viele Bewerbungen kommen über „Mund zu Mund-Propaganda“ zu uns.

Herr Kunz, wir danken Ihnen für das Gespräch.