Von Algorithmen und Eignungschecks

Sind Algorithmen die besseren Recruiter? Können «Maschinen» oder können wir dank «Machine Learning» die Zusammenführung des geeigneten Mitarbeiters zur richtigen Stelle in der richtigen Firma wesentlich verbessern?

Der Trend ist jedenfalls eindeutig. Eine Unmenge solcher Lösungen drängen auf den Markt und werden – das ist meine Vorhersage – einen relevanten Marktanteil gewinnen.

Wie immer interessiert mich im Besonderen der Jugendmarkt. Dort hat sich über viele Jahre eine «Testkultur» etabliert. Was es mit dieser Kultur auf sich hat, lesen Sie in meinem HR Today Blog.

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Leere Lehrstellen – das Passungsproblem

Mich beschäftigt zurzeit ein Thema stark und ich wundere mich, dass weder die Medien noch die Öffentlichkeit es öfter aufgreifen.

Mit dem Risiko, dass mein heutiger Beitrag nur die Leute anspricht, die sich vertieft mit dem Thema Jugend und Arbeitsmarkt beschäftigen, möchte ich das aktuelle «Passungsproblem» etwas näher durchleuchten. Denn es ist zentral. Zentral für die Jugend und die Eltern. Zentral für den Arbeitsmarkt in der Schweiz.

Wovon ich rede erfahren Sie in meinem HR Today Blogschnuppern

Kampf den Stellenanzeigen!

Zum Start ins 2016 wage ich mal was: Ich plädiere für die konsequente Abschaffung von Stellen-Inseraten. Und zwar offline wie online!

Entstanden ist das Inserat in einer Zeit, wo Firmen Mitarbeitende ausschliesslich selektionieren mussten. Die Checkliste der Erwartungshaltung an die Kandidaten mit einem Logo sowie zwei Zeilen Firmeninformationen, die sich mehr gleichen als ein Ei dem anderen, ist veraltet und entspricht nicht mehr den heutigen Erwartungen.

Was sind sonst noch die Mängel oder Schwächen eines klassischen Inserates?

Eine vollständige Aufstellung zeige ich meinem HR Today Blogflughafenbild_webseite

Lehre besser als Uni-Abschluss?

Zwei Drittel aller Jugendlichen oder rund 66’000 junge Leute wählen in der Schweiz jährlich eine Lehrstelle. Fast 5000 haben beim Lernendenbarometer von yousty.ch ihre Meinung zur Zufriedenheit in der Lehre geäussert. Noch nie war eine Studie in diesem Bereich so repräsentativ.

Aber was lernen Firmen und HR-Verantwortliche oder auch Eltern und Lehrer aus den Resultaten?

Die wichtigsten Ergebnisse zeige ich auf meinem HR Today Blog auf. faktoren

Von der Lehre zum Studium | Yousty-Talk mit Silvan Melchior

Die Berufsbildung beschäftigt die Schweiz – insbesondere in Anbetracht der Fachkräftemangeldiskussion. Es ist mir daher ein grosses Anliegen, in diesem Bereich unterwegs zu sein und mich mit interessierten und engagierten Menschen auszutauschen. Ich erlaube mir, diese Interviews und Gespräche zu veröffentlichen, da sie spannende Einblicke in den Bereich “Berufsbildung” gewähren.

Dieser Yousty-Talk wurde am 28. Oktober 2015 mit Herrn Silvan Melchior, ehemaliger Lernender „Elektroniker EFZ“ beim Paul Scherrer Institut PSI und Weltmeister 2013, durchgeführt.

Silvan Melchior an den Berufsweltmeisterschaften 2013
Silvan Melchior ganz in seinem Element an den Berufsweltmeisterschaften in Leipzig 2013

Herr Melchior, können Sie sich zu Beginn kurz selbst vorstellen?

Mein Name ist Silvan Melchior. Ich bin zurzeit 22 und habe im Jahr 2013 meine Lehre als Elektroniker EFZ abgeschlossen, welche ich am Paul Scherrer Institut absolviert hatte.

Wie alt waren Sie, als Sie wussten, Sie wollen Elektroniker werden?

Meine Entscheidung für einen technischen Beruf fiel schon sehr früh, da ich bereits im Kindergarten mit der Elektronik in Kontakt kam und von ihr begeistert war. Dass die richtige Wahl dann schlussendlich Elektroniker ist, stellte sich nach mehreren Schnupperlehren heraus.

Wie lief die ganze Stellensuche ab?

Durch einen Informationsanlass wurde ich auf das PSI aufmerksam und erkundigte mich näher über den Betrieb. Ich bewarb mich für eine Schnupperlehre und stellte fest, dass mich das Forschungsumfeld ansprach. Somit bewarb ich mich für eine Lehrstelle und bekam diese dann auch. Selbstverständlich habe ich mich auch bei anderen Betrieben beworben, welche mich interessiert hatten, allerdings habe ich nach der Zusage vom PSI meine Bewerbungen wieder zurück gezogen.

Was zeichnet die Elektroniker-Lehre aus?

Die Elektroniker-Lehre erlaubt einem einen tiefen, praxisorientierten Einblick in die riesige Welt der Elektronik. Sie bildet eine gute Grundlage für ein Studium in diesem Bereich und richtet sich an Lernende, welche gerne genau arbeiten, Freude am Detail haben und die moderne Technik verstehen möchten.

Was war das Beste und das Schlechteste in Ihrer Lehrzeit?

Am wenigsten hat mir persönlich das mechanische Praktikum in der Werkstatt gefallen, wo das Augenmerk vor allem auf dem Feilen von Metallgegenständen lag, wofür ich mich nicht wirklich begeistern konnte.

Das Beste war sicherlich die Berufsweltmeisterschaft gegen Ende der Lehre, welche etwas absolut Einmaliges war und ich mich immer daran erinnern werde.

Warum sind Sie Ihrer Meinung nach in Leipzig schlussendlich Weltmeister geworden?

Das weiss ich ehrlich gesagt auch nicht so genau, aber laut den Resultaten konnte ich vor allem in der Programmieraufgabe die Konkurenz abhängen.

Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit? Profitieren Sie heute noch von Ihren Erfahrungen aus der Lehre?

Die Praxiserfahrung aus der Lehre hilft mir noch heute, im Studium sehr theoretische Sachen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dazu kommen natürlich die vier Jahre Berufserfahung, welche mir bei der Stellensuche helfen. Und natürlich eine gewisse Stressresistenz, welche ich während der WM aufgebaut habe.

Was haben Sie heute für eine berufliche Tätigkeit? Was planen Sie für die Zukunft bezüglich Ihrer Karriere?

Ich studiere zurzeit an der ETH Informatik und möchte danach am liebsten in die Forschung zurück.

Was würden Sie heute anders machen in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Ehrlich gesagt gar nichts, glücklicherweise hat alles sehr gut geklappt.

Und abschliessend: Welchen Tipp geben Sie den heutigen Lehrstellensuchenden?

Sie sollen unbedingt eine oder gleich mehrere Schnupperlehren machen, um den Beruf näher kennenzulernen, in welchem man die nächsten paar Jahre zu Hause sein wird.

Yousty-Talk mit H. Kunz | B. Braun Medical AG

Die Berufsbildung beschäftigt die Schweiz – insbesondere in Anbetracht der Fachkräftemangeldiskussion. Es ist mir daher ein grosses Anliegen, in diesem Bereich unterwegs zu sein und mich mit interessierten und engagierten Menschen auszutauschen. Ich erlaube mir, diese Interviews und Gespräche zu veröffentlichen, da sie spannende Einblicke in den Bereich „Berufsbildung“ gewähren.

Dieser Yousty-Talk wurde am 12. Dezember 2014 mit Herrn Hans Kunz, CEO der B. Braun Medical AG in Sempach, durchgeführt.

 

Herr Kunz, wer sind Sie?

HK: Ich bin aktuell CEO der Firma B. Braun Medical AG in der Schweiz. Davor war ich 34 Jahre Finanzchef. Ich bin verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Deshalb bin ich auch schon Grossvater.

 

UC: Hat die B. Braun Medical AG eine lange Tradition?

HK: Ja, die Firma blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. Heute haben wir 54’000 Mitarbeitende im Konzern, davon 930 in der Schweiz. Der Umsatz in der Schweiz beträgt über 300 Mio CHF.

 

UC: Weshalb bilden Sie aus?

HK: Unsere Firma braucht Fachkräfte. Das ist zentral für unseren Erfolg in der Zukunft. Lernende sind deshalb bei uns ein Teil des Nachwuchsprogramms. Auf der anderen Seite ist es uns wichtig, auch Jugendlichen aus der Region helfen, den Berufseinstieg zu schaffen und die Lehre als Alternative zum Studium zu sehen. So unterstützen wir auch Mitarbeitende, welche die Berufsmatura begleitend machen möchten.

 

UC: Ist das nicht sehr teuer?

HK: Man kann nicht nach Fachkräften rufen und nicht bereit sein, dafür auch zu investieren. Weiter wird das Rekrutieren von Ausgelernten zunehmen schwieriger. Der Radius des Einzugsgebietes muss für alle Firmen grösser werden. Und die Kosten, diese Fachkräfte zu gewinnen steigen dauernd. Deshalb investieren wir in Ausbildung mit dem Ziel, viele Lernende zu übernehmen und sie weiter bei uns zu beschäftigen. Selbst wenn sie ein paar Jahre weg sind, sollen sie B. Braun positiv in Erinnerung behalten und gerne wieder zurückkommen. Ausserdem: Über die Lehre lernt man die Personen, ihre Stärken und ihre Fähigkeiten sehr gut kennen.

 

UC: Was ist besonders an einer Ausbildung bei Ihnen?

HK: Ich bin überzeugt: unsere Kultur. Das merken sie schon am Eingang. Man begrüsst sich, man kennt sich. Wir haben viele begeisterte Mitarbeitende und die Stimmung eines Familienunternehmens. Lehrstellen bieten wir schon seit gut 30 Jahren an. Zusätzlich sind wir eingebettet in einen Konzern und können deshalb viele Vorteile wie zum Beispiel Auslandaufenthalte anbieten. Die Weiterbildung fördern wir systematisch und für Mitarbeitende über 50 haben wir ein ganz besonderes Programm „Flex Time“ aufgesetzt, weshalb sogar Bundesrat Schneider-Ammann uns besucht hat.

Sicher wirken aber auch unsere Architektur und die schönen, funktionalen Arbeitsplätze. Denn viele Bewerbungen kommen über „Mund zu Mund-Propaganda“ zu uns.

Herr Kunz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Lehre und dann?

Jährlich schliessen rund 70’000 junge Menschen in der Schweiz die Lehre ab. Für die meisten ein Meilenstein, denn nun sind sie wirklich „autonom“ und können sich finanziell und beruflich unabhängig vom Elternhaus entwickeln.

Leider in der Praxis bei weitem nicht so einfach, wie man denkt. Bei vielen ist der Lehrstellen-Such-Stress kaum überwunden, kommt schon die nächste existenzielle Herausforderung: Der Arbeitgeber übernimmt mich nicht, ich muss jetzt selber weiter schauen, was mache ich nur nach der Lehre?

Die, welche einen Anschlussvertrag beim Arbeitgeber bekommen, haben es gut. Sie erhalten meistens, marktgerechte Löhne und können nun in Ruhe die weitere Karriere planen. Für die anderen wird es ja nach Berufs- und Branchenfeld unterschiedlich schwierig. Während die Lernenden aus den Handwerksberufen meisten sehr gesucht sind auf dem Markt und bereits die ersten Stellenvermittler mit verlockenden Angeboten auf die Combox reden, haben vor allem die KV-Abgänger oft grosse Schwierigkeiten eine Stelle mit Marktgerechter Entlöhnung zu finden.

Nach 12 bis 24 Monaten sieht das zum Glück wieder anders aus aber für viele Frage stellt sich nach der Lehre die zentrale Frage nach dem Einstieg. Oft stehen drei Optionen zur Verfügung:
a) Job suchen auf biegen und brechen – im Notfall sogar als Praktikant zum tieferen Lohn
b) Auslandaufenthalt, Sprachen lernen
c) Weiterbildung

Die meisten Lernenden und insbesondere die KV Lernenden haben schon früh in der Lehre erkannt, dass es keinen Schritt weiter geht auf der Karriereleiter ohne Weiterbildung. Stellt sich also die Frage nach dem richtigen Schritt. Die Angebote sind enorm, die Preise oft auch. Hier zeigt sich aber die enorme Qualität unseres Bildungssystems und die Bedeutung der Lehre: Denn es stehen, sehr logische und praxisorientiert Lösungen offen. Fachausweis, Höhere Fachschule oder Fachhochschule sind die drei hauptsächlichsten Kanäle um schnell einen nächsten Titel zu erarbeiten. Aber auch andere Wege und der Übergang zur Universität stehen offen. Das geniale Schweizer System findet man hier abgebildet:
http://www.sbfi.admin.ch/berufsbildung/01606/index.html?lang=de. Ein paar entscheidende Punkte möchte ich noch hervorheben:
1.) Der Arbeitsmarkt zahlt Fachhochschulabgänger und Uni-Abgänger etwa gleich gut
2.) Fachhochschulabsolventen erhalten schneller eine Festanstellung und genau so oft oder öfter Kaderpositionen (vor allem in KMU!)

Man findet dazu gute Statistikgrundlagen beim BFS. Deshalb: Die Berufslehre ist eine echte Alternative! Sie integriert Jugendliche schnell in den Arbeitsmarkt und lässt Ihnen alle Karrierewege offen.