Zufriedene Lernende

Die Studie von yousty.ch und der FHNW bestätigt, was Fachleute branchenübergreifend schon länger vermuten. Zudem zeigt sie meiner Meinung nach klar auf, an welchen Punkten die in der Berufsbildung engagierten Parteien am meisten Wirkung erzielen können.

Zufriedene Lernende

Die Lernenden in der Schweiz sind mehrheitlich zufrieden. Das wundert mich nicht. Wir haben ein hervorragendes duales Bildungssystem. Wäre es anders, würden unter den Jugendlichen und Eltern die „Anti-Lehre Mund-zu-Mund Propaganda“ mit Garantie funktionieren und wir würden mehr davon hören als uns lieb wäre. Nur leider verkaufen wir es in der Öffentlichkeit noch zu wenig gut. Diese Studie ist mitunter eine Massnahme dafür. Sogar mit dem Lohn sind die meisten Lernenden (71%) gemäss unserer Umfrage zufrieden (dies relativiert die kürzlich veröffentlichten Forderungen der Unia). Und hier kommt der wichtigste Punkt: Diese Zufriedenheit der Lernenden sollte für Lehrbetriebe das entscheidende Mittel für die Gewinnung neuer Lernenden (Berufs- und Lernendenmarketing) sein. Lehrbetriebe und Berufsverbände sollten nicht müde werden, die Energie darauf zu verwenden, Lernende als Vorbilder einzusetzen. Überall: Auf der Homepage, im Internet, bei Betriebsbesichtigungen, Schnupperlehren, Berufsmessen etc. Frei nach dem Motto: „Lass deinen Lernenden sprechen und ich sage dir, wie gut du als Lehrbetrieb bist“.

Gute Berufsbildner

Die Studie zeigt auch, dass die Zufriedenheit der Lernenden wesentlich mit dem Berufsbildner (Lehrmeister) zusammen hängt (siehe auch mein Blog: Berufsbildner brauch das Land). Ich vermute hinter der Begründung „gute Berufsbildner nehmen sich Zeit“ einen zusätzlich wichtigeren Aspekt: Diese Berufsbildner schaffen es, eine Beziehung zu den Lernenden zu schaffen. Sie werden in vielen Fällen von den Jugendlichen als Fachperson und Vorbild anerkannt und sind deren Berufs- und Karriere-Coaches. Das ist der Idealfall. Mit solchen Menschen fühlen sich Jugendliche wohl. Eltern werden stolz, dass Ihre Kinder dort arbeiten. Viele Berufsbildner – vor allem in kleinen Unternehmenseinheiten – füllen aber die Ausbildner-Funktion im „Teilzeitjob“ aus und werden für Ihre Aufgaben wenig bis gar nicht geschult. „Du betreust dann noch die Lernenden gell“, dann noch schnell ein 4-Tageskurs und schon ist jemand Berufsbildner. Das birgt grosses Gefahrenpotential. Zum Glück sehe ich schweizweit von vielen Beteiligten und Institutionen, inklusive Staat und Kantone, ergänzende Massnahmen zur Stützung der Berufsbildner und der Betriebe. In der Etablierung dieses Systems und dieser Dienstleistungen liegt ein Schlüsselelement für den weiteren Erfolg der Berufslehre in der Schweiz. Ein Berufsverband und ein eidgenössisches Diplom sehe ich als erfolgsversprechende Massnahmen. Gute Berufsbildner braucht das Land.

Richtiges Lehrstellenmarketing

83% der befragten Lernenden sind überzeugt, dass Firmen allein mit guter oder besserer Information einfacher zu Lehrstellenbewerbern kommen. Das ist interessant denn die Lösung ist sehr einfach aber von den meisten Firmen nicht genutzt: Firmen müssen Ihre Lernenden mit Bildern, Interviews und vor Ort zeigen. Zudem verhelfen Bilder der Firma, den Arbeitssituationen und des Teams zu einem authentischen Eindruck. Denn die Lernenden wünschen mehr Informationen zum Betriebsklima. Wetten, das Eltern und Lehrer das genauso sehen? Welche Chance für aktive Firmen. Denn die Umsetzung ist sehr einfach und man braucht dazu keine Marketingfirmen und Mofa-Verlosungen um an gute Lernende zu kommen und Berufe näher zu bringen. Übrigens interessant, dass Firmen wie Privatleute dies als selbstverständlich betrachten, wenn Sie Autos kaufen, Hotels buchen oder Wohnungen suchen. Dort wird von jedem Angebot erwartet, dass es mit Bildern dokumentiert ist. Ja oft sogar mit Referenzen von Menschen. Die meisten Lehrbetriebe präsentieren sich allerdings noch mit einer Adresse, ohne Bilder oder dann mit solchen, die nicht authentisch wirken. Das Team und die anderen Lernenden sieht man in den allerwenigsten Fällen. Das liesse sich ändern. Nie war die Zeit für Lehrbetriebe einfacher dies genauso zu tun. Das Internet – und damit die Informationsumgebung Nr. 1 der Jugendlichen – bietet dazu eine ideale Plattform. Gerade auch für KMU’s und kleine Budgets. Aber eben: „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“!

Die ausführlichen Umfrageergebnisse finden Sie auf www.yousty.ch/lernendenumfrage.

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3 Gedanken zu “Zufriedene Lernende

  1. Lieber Herr Casty.
    Danke für die spannenden Inputs. Bei aller Zustimmung frage ich mich dann aber doch, warum im 2013 gut 20’000 Lernende die Lehre abgebrochen haben, das sind etwa 1/3 aller neuen Lehrverträge, die da beendet werden. Vielleicht haben Sie eine Erklärung dafür?

    • Lieber Herr Stern
      Woher haben Sie die Zahl 20’000? Es gibt in der CH über 300’000 Lernende. 1/3 Sollte demnach auch nicht stimmen.. ? Dann sollte man die Zahlen noch differenzierter betrachten, denn die Abbrüche sind, je nach Branche, Berufe und Betriebsgrösse stark unterschiedlich. Hauptprobleme sind menschliche. Oder die „Chemie“ wie man so schön sagt. Dann gleich die falschen Vorstellungen aufgrund ungenügender Vorinformation und ungenügender Entwicklung der Fähigkeiten (Lernkurve) während der Lehrzeit.

      • Lieber Herr Casty. Ich war eben am ersten Internationalen Berufsbildungskongress in Winterthur – da wurde die Zahl genannt an einem Podium. Das Schweizer Berufsbildungssystem ist gut und heute international gefragt – doch das war nicht immer so und es gibt auch Dinge, über die man nicht gerne spricht (das war auch am Kongress so): http://www.iwp.unisg.ch/~/media/internet/content/dateien/instituteundcenters/iwp/interviews/1204_dieter_euler.pdf. War es nicht Ernst Buschor, der die Berufsschule in die Gymnasien integrieren wollte?!? Oh Schreck, wie wenig Ahnung haben teilweise Menschen von der Berufsbildung. Und ja, es gibt sehr unterschiedliche Branchen mit unterschiedlichen Abbruchraten mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Ursachen, da stimme ich Ihnen zu.
        Beste Grüsse

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