Kontingente sind nicht die Lösung

Nur wer ausbildet, kann mehr ausländische Fachkräfte einstellen. Das die Forderung von Rudolf Strahm, welche er im März auf seinem Blog veröffentlicht hat.

Obwohl ich Herrn Strahm und sein Engagement sehr schätze, sehe ich diesen Lösungsansatz ganz anders:
a) Wenn die Ausbildung zum Mittel wird, Ausländer zu erhalten, ist dies eine grundfalsche Motivation für die Unternehmen.
b) Nur wer aus Überzeugung ausbildet, besitzt eine Infrastruktur, das Wissen und die Motivation, um die Jugendlichen zu fördern.
c) Nur wer aus Einsicht ausbildet um Fachkräfte zu entwickeln wird damit auch sein Ziel erreichen.

Gerne gehe ich auf die zwei bevorzugten Beispielbranchen von Herrn Strahm ein:

1. Im Gesundheitswesen stimmt schlicht und einfach das Geld nicht, welches ins System fliesst um mehr Lehrstellen anbieten zu können. Meine Voraussage ist, dass sich dies mit der Einschränkung der ausländischen Arbeitskräfte automatisch regeln wird.

2. Die Informatik hat ein Grundsatzproblem. Sie braucht Spezialisten mit hoher Leistungsfähigkeit. Dies vor dem Hintergrund einer enormen Dynamik in der technischen Entwicklung der Informatik. Die Konkurrenz sitzt im Ausland und arbeitet mit meist günstigeren Rahmenbedingungen. Wenn sich die Branche und die Firmen trauen würden, würden sie ganz einfach sagen: Wir haben keine Zeit für die Lehre, denn vier Jahre Ausbildungskosten in Basic Wissen ist nicht machbar. Deshalb bilden Microsoft, SAP, IBM usw. in der CH kaum aus – da würden auch Kontingent – Anreize wohl kaum helfen. Die wenigen KMU die sich das leisten, haben längerfristige Horizonte und sind sehr zu loben. Leider sind es zu wenige.

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Ein Gedanke zu “Kontingente sind nicht die Lösung

  1. Es wird mehr und mehr klar, dass wir mit der bisherigen gesellschaftlichen „Architektur“ an Grenzen stossen. Nationalistische (politische) Vorstellungen und Arbeitsmarkt stimmen schon lange nicht mehr überein. Menschen bewegen sich dorthin, wo Aussicht auf Arbeit besteht. Verbindet sich damit noch die Perspektive eines „besseren“ Lebens, erhöht sich die Anziehungskraft nochmals. Ein Land, das neben Arbeitsplätzen auch noch Ausbildungen anbietet, wird extrem attraktiv. Das könnte die Schweiz nutzen, um Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, zu Fachleuten auszubilden. Die Finanzierung des Systems muss in einem sinnvollen Verhältnis von Staat (Grundausbildung/Infrastukturen/Anerkennungen), Wirtschaft (Arbeitsstellen, Fachausbildungen -Verbände-) und Auszubildenden (Rückzahlbare Kredite auf der tertiären Ebene) geschehen. Arbeitskräfte kommen zu uns, Schweizer gehen an andere Orte (weltweit). Wirtschaft ist so ein stabilisierender Faktor gesellschaftlicher Entwicklung. Privatisierungen von Ausbildungen erhöhen die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Verhältnisse, der Staat kann unterstützen, muss jedoch nicht mehr „alles“ tragen. Unternehmen werden zu gesellschaftlichen Akteuren mit direkter Verantwortung für die Qualität von Ausbildungen, wo gemeinsam mit dem Staat an der stetigen Weiterentwicklung gearbeitet wird.

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